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Unterschiede einordnen – statt ausdiskutieren

Eine Übung für Teams (und Paare),
die nicht alles gleichmachen wollen – aber zusammenarbeiten wollen.

 

In der Zusammenarbeit knirscht es selten „einfach so“.
Oft liegt es an Unterschieden, die uns nicht bewusst sind – oder die wir bewusst ignorieren. Unterschiedliche Arbeitsrhythmen, Bedürfnisse, Temperamente, Kommunikationsstile. Mal läuft das einfach mit. Mal wird’s zur Reibung.

Diese Übung hilft, solche Unterschiede sichtbar zu machen – ohne gleich eine Lösung finden zu müssen. Es geht darum, gemeinsam einzuordnen:

Was stört wirklich? Was ist einfach anders – aber okay? Und wo müssen wir gemeinsam neu hinschauen?

Ziel

Unterschiede systematisch reflektieren – und herausfinden, wo es Veränderung braucht und wo nicht.

So geht’s:

1. Unterschiede sammeln

Jede*r nennt (z. B. auf Karten oder digital) Unterschiede mit der anderen Person, die im Alltag auffallen:
Zum Beispiel: „unterschiedliche Arbeitsgeschwindigkeit“, „Umgang mit Deadlines“, „Art, Feedback zu geben“, „Gesprächsbedürfnis in Meetings“, „Humor“, „Zugänglichkeit“, „Strukturbedürfnis“ …

2. Einordnung vornehmen

Gemeinsam ordnet ihr die gesammelten Unterschiede nach folgenden Kategorien:

# Kein Thema: Können einfach so bleiben.
# Kann ich gut akzeptieren: Ist nicht mein Stil, aber völlig in Ordnung.
# Ist okay: Wir haben einen brauchbaren Kompromiss.
# Fühlt sich eher zäh an: Da müssten wir nochmal drauf schauen.
# Das wird zum Problem. Hier braucht es eine klare Vereinbarung oder Veränderung.

Tipp: Die Kategorien können z. B. auf dem Boden ausgelegt werden – und die Unterschieds-Karten werden gemeinsam zugeordnet.

3. Ins Gespräch gehen

Besonders bei den letzten beiden Kategorien lohnt es sich, gemeinsam diese Fragen zu besprechen:
# Was genau daran irritiert und ist herausfordernd?
# Was braucht es, damit wir besser damit umgehen können?
# Was können wir in der Unterschiedlichkeit voneinander lernen?

4. Wichtig bei der Durchführung

  1. Jede*r spricht aus der Ich-Perspektive – Im Sinne des systemischen Konstruktivismus gilt: Jeder sieht die Welt durch die eigene Brille. Unterschiede sind also keine objektiven Wahrheiten – sondern subjektive Wahrnehmungen, die ernst genommen werden wollen.
  2. Es gibt kein richtig oder falsch – Was für die eine Person nervig ist, ist für die andere vielleicht ein normaler Arbeitsstil. Entscheidend ist: Unterschiede dürfen unterschiedlich erlebt und bewertet werden.
  3. Nicht sofort Lösungen suchen – Lasst erst einmal alles stehen. Ziel ist nicht, alles glattzubügeln – sondern bewusst wahrzunehmen, was da ist.

Warum wir diese Übung mögen?

Weil sie ohne Rollenzuweisung oder Typisierungslogik auskommt.
Weil sie Klarheit schafft, ohne zu glätten.

Und weil sie zeigt: Unterschiede müssen nicht verschwinden, damit Zusammenarbeit gelingt.

Ihr wollt Unterstützung für die Durchführung? Dann schaut doch mal hier: https://innoki.de/team-coaching/

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