Extrovertierte und Introvertierte im Team in einer moderierten Workshop-Situation

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Laut vs. Leise: Wie du Extrovertierte und Introvertierte im Team und in Workshops integrierst

Methoden, Moderation und psychologische Sicherheit.
#Teamcoaching #Teamentwicklung

Warum ist das Thema wichtig?

In jedem Workshop und in jedem Team treffen sie aufeinander: die Lauten, die sofort Ideen einbringen, und die Leisen, die erst beobachten und reflektieren. Beide Persönlichkeitstypen sind wertvoll – doch oft dominieren die Extrovertierten, während Introvertierte überhört werden. Das kostet Teams wertvolle Perspektiven und kreative Lösungen. 

Eine gute Teamentwicklung und professionelle Moderation von Teams und Workshops sorgen dafür, dass beide Seiten Gehör finden. Denn gerade wenn extrovertierte und introvertierte Persönlichkeiten im Team zusammenarbeiten, entstehen Spannungen, aber auch enormes Potenzial.

Extrovertiert vs. introvertiert – Stärken beider Seiten

  • Extrovertierte treiben Diskussionen an, bringen Energie und Dynamik.
  • Introvertierte sorgen für Tiefgang, Struktur und durchdachte Lösungen.

Studien belegen: Teams, die beide Persönlichkeitstypen einbeziehen, treffen bessere Entscheidungen und sind innovativer. 

Sind wir immer laut oder leise?

Die Unterscheidung in „laut“ und „leise“ ist hilfreich als Orientierung, aber oft zu starr. Denn niemand ist ausschließlich extrovertiert oder introvertiert. Viele von uns bewegen sich dazwischen – und zeigen je nach Kontext unterschiedliche Seiten: Ein Mensch kann im vertrauten Team sehr aktiv sein, aber in einem großen Workshop zurückhaltend wirken. Oder jemand, der sich als eher leise beschreibt, ergreift das Wort, wenn ihm ein Thema wirklich wichtig ist. 

Kontextfaktoren wie Gruppengröße, Vertrauen, die eigene Rolle oder auch die Relevanz des Themas bestimmen stark, wie wir uns verhalten. Für Moderator*innen und Führungskräfte heißt das: Menschen nicht in Schubladen stecken, sondern Rahmenbedingungen schaffen, die verschiedene Ausdrucksweisen ermöglichen – mal aktiv und laut, mal reflektierend und leise. 

Herausforderungen in Workshops und Teammeetings

  • Extrovertierte Teilnehmende dominieren oft die Redezeit.
  • Introvertierte bleiben still, besonders in großen Gruppen.
  • Ohne klare Moderation wird die Teamdynamik unausgeglichen. 

Methoden, um Extrovertierte und Introvertierte im Team einzubinden

1. Round Robin – jede Stimme zählt

Beim Round Robin ( z.B.: in Working in Groups: Facilitating Positive Group Interactions, B. D. Terry) geht es darum, dass jede Person in einer Gruppe nacheinander zu Wort kommt – ohne Unterbrechung. Die Redezeit ist begrenzt, und niemand darf ausgelassen werden. Dadurch entsteht automatisch ein Raum, in dem auch introvertierte Teilnehmende gehört werden, während extrovertierte ihre Beiträge prägnant halten müssen. 

2. 1-2-4-All (Liberating Structures)

Eine bewährte Methode aus den Liberating Structures ist 1-2-4-All. Sie eignet sich besonders, wenn viele Menschen beteiligt sind und Introvertierte wie Extrovertierte gleichermaßen eingebunden werden sollen:  

  • 1 Minute denkt jede*r still für sich nach.
  • 2 Minuten Austausch in Zweiergruppen.
  • 4 Minuten Diskussion in Vierergruppen.
  • All: Ergebnisse werden im Plenum geteilt. 

Der Vorteil: Niemand wird sofort ins kalte Wasser geworfen. Introvertierte können erst in kleiner Runde ihre Gedanken äußern, bevor sie im großen Kreis sichtbar werden. Extrovertierte profitieren, weil ihre Energie kanalisiert und auf den Punkt gebracht wird. 

3. Kleingruppenarbeit und bewusste Moderation

In kleinen Runden beteiligen sich introvertierte Personen aktiver. Gute Moderation bedeutet: Redeanteile im Blick haben, stille Stimmen aktiv einladen – ohne Druck aufzubauen. 

4. Digitale Tools

Plattformen wie Miro oder Mentimeter machen es leicht, Ideen anonym einzubringen – besonders hilfreich für zurückhaltende Teammitglieder.  

Und auch hier: Psychologische Sicherheit als Schlüssel

Damit alle Stimmen gehört werden, braucht es psychologische Sicherheit. Forschung von Amy Edmondson zeigt, dass Teams erfolgreicher sind, wenn jedes Mitglied ohne Angst Ideen oder Kritik äußern kann. In unserem Beitrag zur psychologischen Sicherheit im Team erfährst du mehr dazu.

Das bedeutet: Methoden reichen nicht. Die Kultur muss so gestaltet sein, dass unterschiedliche Persönlichkeiten wirklich ernst genommen werden. 

Fazit: Laut + Leise + Hierarchie im Blick = Starkes Team

Ob extrovertiert oder introvertiert – oder irgendwo dazwischen: Beide Seiten bringen Stärken ein, die ein Team weiterbringen. Wer Workshops und Teammeetings so moderiert, dass alle zu Wort kommen, gewinnt: mehr Kreativität, bessere Entscheidungen und eine gesündere Zusammenarbeit. 

Doch es geht nicht nur um Laut und Leise. Auch Hierarchie beeinflusst, wessen Ideen Gehör finden. Der HIPPO-Effekt (Highest Paid Person’s Opinion), die Tendenz, sich an der Meinung der ranghöchsten Person zu orientieren, kann wertvolle Stimmen zum Schweigen bringen. Erfolgreiche Teams durchbrechen diese Dynamik, indem sie auf psychologische Sicherheit, klare Moderationsmethoden und echte Beteiligung setzen. 

 Gerade in hybriden Teams und bei interkultureller Zusammenarbeit wird dieser bewusste Umgang mit Persönlichkeit und Hierarchie zum entscheidenden Erfolgsfaktor. 

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