Die Seestern-Retrospektive auf Karten auf einem Boden mit Tulpen in der Mitte

#Konfliktklärung zwischen Abteilungen

Wieder miteinander sprechen

Wenn Zusammenarbeit zunehmend von Vorwürfen und Rückzug geprägt ist, braucht es zunächst einen Rahmen, in dem wieder direkt miteinander gesprochen werden kann. Wir begleiteten zwei eng voneinander abhängige Bereiche eines Biotechnologieunternehmens dabei, verhärtete Fronten zu lösen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und ihre Zusammenarbeit neu auszurichten.

Die Ausgangslage

Produktion und Qualitätskontrolle waren in ihrer täglichen Arbeit eng aufeinander angewiesen. Gleichzeitig hatte sich die Zusammenarbeit zwischen den beiden Abteilungen über längere Zeit zunehmend verschlechtert.

Informationen wurden kaum noch direkt ausgetauscht. Beide Seiten warfen einander mangelnde Leistungsbereitschaft und fehlendes Verständnis für die jeweiligen Anforderungen vor. Konflikte wurden häufig innerhalb des eigenen Teams oder hinter dem Rücken der anderen Beteiligten besprochen, anstatt sie im direkten Kontakt zu klären.

Die Fronten hatten sich so weit verhärtet, dass nicht nur einzelne persönliche Beziehungen, sondern auch die Arbeitsfähigkeit an den Schnittstellen beeinträchtigt war. Dabei verstärkten sich strukturelle Probleme, Missverständnisse und persönliche Verletzungen gegenseitig.

Das Ziel

Ziel des Prozesses war es, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Abteilungen wiederherzustellen und einen direkten Austausch über die bestehenden Spannungen zu ermöglichen.

Die Beteiligten sollten besser verstehen, wie die jeweils andere Abteilung arbeitet, unter welchen Rahmenbedingungen sie Entscheidungen trifft und welche Auswirkungen das eigene Verhalten auf die andere Seite hat.

Darauf aufbauend sollten konkrete Vereinbarungen für die zukünftige Zusammenarbeit entstehen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf einer Feedbackkultur, in der Irritationen und Konflikte frühzeitig, wertschätzend und direkt angesprochen werden können.

Die Umsetzung

Wir gestalteten die Konfliktklärung in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten. Zu Beginn arbeiteten wir mit beiden Abteilungen getrennt voneinander. Jedes Team erhielt so zunächst einen geschützten Raum, um die eigene Perspektive zu sortieren und offen zu benennen, was in der Zusammenarbeit aus seiner Sicht nicht funktionierte.

In jeweils anderthalbtägigen Workshops identifizierten die Teams zentrale Schmerzpunkte und priorisierten die Themen, die für die weitere Zusammenarbeit besonders relevant waren. Anschließend entwickelten sie erste Lösungsansätze und reflektierten ihren eigenen Anteil an den bestehenden Dynamiken.

Am zweiten Workshoptag lag der Schwerpunkt auf Kommunikation und Feedback. Die Teilnehmenden setzten sich damit auseinander, wie Rückmeldungen so formuliert werden können, dass sie nicht zu weiterer Abwehr führen. Gleichzeitig übten sie, Feedback anzunehmen, ohne sich unmittelbar rechtfertigen oder die Verantwortung an die andere Abteilung zurückgeben zu müssen.

Im Verlauf der Workshops wurde sichtbar, dass die Spannungen nicht auf einzelne Personen oder mangelnden guten Willen reduziert werden konnten. Persönliche Verletzungen, unklare Erwartungen, unterschiedliche Arbeitslogiken und strukturelle Abhängigkeiten griffen ineinander.

Darauf aufbauend begleiteten wir die Teamleitungen und die gemeinsame Abteilungsleitung in einem zweistündigen Coaching. Gemeinsam reflektierten sie ihre Verantwortung für den weiteren Prozess und klärten, wie sie den direkten Austausch zwischen den Teams unterstützen und vereinbarte Veränderungen im Arbeitsalltag absichern konnten.

Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Workshop mit rund 28 Beteiligten. Zu Beginn entwickelten die beiden Teams gemeinsam Regeln für einen sicheren Gesprächsrahmen. Dazu gehörten ein respektvoller Umgang, das Aussprechen der eigenen Wahrnehmung anstelle von Zuschreibungen sowie die Bereitschaft, die Perspektive der anderen Seite zunächst verstehen zu wollen.

In einem strukturierten Feedbackprozess tauschten sich die beiden Abteilungen anschließend darüber aus, was sie an der Arbeit der jeweils anderen Seite wertschätzten, welche Verhaltensweisen die Zusammenarbeit erschwerten und was sie sich konkret für die Zukunft wünschten.

Dabei ging es nicht darum, alle Konflikte in einem einzigen Workshop vollständig aufzulösen. Entscheidend war, einen ersten anderen Kontakt zu ermöglichen und einen Rahmen zu schaffen, in dem bisher zurückgehaltene Themen konstruktiv besprochen werden konnten.

Das Ergebnis

Vor allem der Perspektivwechsel veränderte die Atmosphäre zwischen den beiden Abteilungen spürbar. Beteiligte beider Teams berichteten, sich entgegen ihrer Erwartungen von der jeweils anderen Seite gesehen und verstanden zu fühlen.

Ein Teil der bestehenden Missverständnisse konnte direkt geklärt werden. Gleichzeitig entstand ein differenzierteres Verständnis dafür, welche fachlichen Anforderungen, Abhängigkeiten und Belastungen die Arbeit der anderen Abteilung prägten.

Die Teams vereinbarten konkrete nächste Schritte für ihre Kommunikation und Zusammenarbeit. Damit entstand eine Grundlage, Konflikte zukünftig früher anzusprechen und Probleme an den Schnittstellen gemeinsam zu bearbeiten, anstatt sie innerhalb der eigenen Abteilung weiter zu verstärken.

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