Was ist Co-Leadership?
Co-Leadership beschreibt ein Führungsmodell, bei dem sich zwei Personen dauerhaft Führungsverantwortung teilen. Häufig werden dafür auch die Begriffe Doppelspitze, Führungstandem oder geteilte Führung verwendet. Beide Führungskräfte tragen gemeinsam Verantwortung, treffen Entscheidungen und vertreten ihr Team nach innen und außen. Gerade in einer komplexen Arbeitswelt bietet dieses Modell viele Chancen. Gleichzeitig stellt es Führungstandems vor besondere Herausforderungen, die sich mit einer klaren Rollenverteilung allein meist nicht lösen lassen.
Forschung zu Shared Leadership zeigt, dass gemeinsame Führung insbesondere dann erfolgreich ist, wenn Rollen, Kommunikation und gemeinsame Verantwortung bewusst gestaltet werden. Genau diese Zusammenarbeit steht auch im Mittelpunkt von Co-Leadership.
Zwei Menschen führen gemeinsam und trotzdem hakt es
Zwei Menschen teilen sich eine Führungsrolle. Auf dem Papier ist vieles geregelt: Zuständigkeiten sind verteilt, Verantwortlichkeiten geklärt und beide verfolgen dasselbe Ziel. Trotzdem entstehen im Alltag immer wieder Situationen, die sich erstaunlich ähnlich anfühlen.
Eine Person entscheidet gern schnell und pragmatisch. Die andere möchte wichtige Entscheidungen zunächst gemeinsam besprechen. Eine übernimmt immer häufiger Gespräche mit Mitarbeitenden, während die andere zunehmend das Gefühl bekommt, wichtige Informationen erst im Nachhinein zu erfahren. Oder beide möchten Konflikte vermeiden und senden dadurch unterschiedliche Signale an ihr Team.
Anfangs wirken diese Situationen wie kleine Missverständnisse. Mit der Zeit werden sie jedoch immer vertrauter. Gespräche laufen nach demselben Muster ab, Entscheidungen dauern länger oder werden nachträglich wieder verändert. Irgendwann entsteht der Eindruck, immer wieder an derselben Stelle festzustecken.
Dann lohnt sich eine andere Frage. Nicht: Wer von uns macht etwas falsch? Sondern: Was passiert eigentlich regelmäßig zwischen uns? Genau dort beginnt aus unserer Sicht die eigentliche Arbeit im Co-Leadership.
Co-Leadership lebt von Unterschieden
Viele Organisationen entscheiden sich bewusst für Co-Leadership. Zwei Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Stärken mit. Entscheidungen können gemeinsam reflektiert werden, Verantwortung verteilt sich auf mehrere Schultern und auch für das Team entsteht oft eine höhere Erreichbarkeit.
Die Unterschiede sind dabei selten das Problem. Im Gegenteil: Häufig sind sie sogar der Grund, warum ein Führungstandem überhaupt gut funktioniert. Schwierig wird es dann, wenn die aufreibenden Verhaltensweisen gegenseitig ausgelöst und gefestigt werden. So erlebt die eine Person die andere vielleicht als zu vorsichtig. Die andere empfindet schnelle Entscheidungen dagegen als überhastet. Beide handeln aus nachvollziehbaren Gründen und verfolgen dasselbe Ziel. Trotzdem wächst auf beiden Seiten der Frust.
Wie entstehen festgefahrene Muster?
Aus systemischer Sicht liegt die eigentliche Herausforderung deshalb häufig nicht in den Unterschieden selbst, sondern in den Reaktionen darauf: Je schneller eine Person entscheidet, desto stärker besteht die andere auf gemeinsamer Abstimmung. Je häufiger zusätzliche Abstimmung eingefordert wird, desto mehr entsteht bei der ersten Person das Gefühl, ausgebremst zu werden. Also entscheidet sie beim nächsten Mal noch schneller allein. Dadurch wächst wiederum das Bedürfnis nach Kontrolle.
So entsteht nach und nach ein Muster, das sich immer wieder wiederholt. Beide reagieren aufeinander und stabilisieren ungewollt genau den Ablauf, den sie eigentlich verändern möchten.
Deshalb hilft es oft nur begrenzt, ausschließlich über Rollen oder Persönlichkeiten zu sprechen. Wesentlich hilfreicher ist die gemeinsame Frage: Welches Muster entsteht zwischen uns und wie können wir es gemeinsam verändern?
Wie solche Wechselwirkungen auch in Teams entstehen, beschreiben wir ausführlicher in unserem Artikel „Teamentwicklung: Warum gute Teamworkshops auf drei Ebenen wirken“.“
Woran erkennt ein Führungstandem, dass Unterstützung sinnvoll sein kann?
Viele Führungstandems erleben nicht den einen großen Konflikt. Viel häufiger sind es dieselben Situationen, die sich immer wiederholen.
Ein Gespräch beginnt sachlich und endet trotzdem mit Frust. Entscheidungen werden getroffen, später aber noch einmal infrage gestellt. Aufgaben werden eigentlich verteilt und landen am Ende doch wieder bei derselben Person. Oder das Team fragt grundsätzlich nur eine der beiden Führungskräfte, obwohl beide gleichermaßen verantwortlich sind.
Von außen wirken solche Situationen oft klein. Im Alltag kosten sie jedoch viel Energie. Nicht, weil einzelne Entscheidungen besonders schwierig wären, sondern weil sich der zugrunde liegende Ablauf immer wieder wiederholt.
Ein Hinweis darauf kann sein, dass ihr euch regelmäßig über dieselben Themen unterhaltet, ohne wirklich voranzukommen. Oder dass ihr nach Besprechungen beide das Gefühl habt, eigentlich dasselbe zu wollen und trotzdem nicht gemeinsam dorthin zu kommen.
Manchmal zeigt sich das Muster auch im Team. Mitarbeitende holen sich bewusst unterschiedliche Antworten ein oder richten ihre Fragen immer an dieselbe Person. Das ist selten böse gemeint. Häufig reagieren Teams einfach auf Unterschiede, die sie in der Zusammenarbeit ihrer Führungskräfte wahrnehmen.
Nicht jede dieser Situationen ist sofort problematisch. Wenn sie jedoch zur Normalität werden, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Was kann Coaching im Co-Leadership leisten?
In einem Coaching geht es aus unserer Sicht deshalb nicht zuerst darum, Rollen neu zu verteilen oder möglichst schnell Lösungen zu finden. Der erste Schritt besteht darin, gemeinsam zu verstehen, welche Dynamik zwischen den beiden Führungskräften entstanden ist. Welche Situationen wiederholen sich? Welche Erwartungen bleiben unausgesprochen? Und welche Reaktionen verstärken sich gegenseitig, obwohl beide eigentlich dasselbe Ziel verfolgen?
Erst wenn diese Muster sichtbar werden, entsteht die Möglichkeit, bewusst andere Entscheidungen zu treffen.
Oft entwickeln Führungstandems kleine Experimente für ihren Führungsalltag und beobachten anschließend gemeinsam, was sich dadurch verändert. So entstehen neue Erfahrungen, die nach und nach die bisherigen Muster ablösen können.
Gerade dieser Blick auf die Wechselwirkungen unterscheidet sich aus unserer Sicht von einer rein organisatorischen Rollenklärung. Denn nicht selten sind Zuständigkeiten längst geregelt. Trotzdem verändert sich die Zusammenarbeit erst dann, wenn sich auch das Miteinander verändert.
Fazit
Co-Leadership lebt von unterschiedlichen Perspektiven. Genau darin liegt seine größte Stärke.
Unterschiedliche Arbeitsweisen müssen deshalb nicht angeglichen werden. Entscheidend ist vielmehr, wie beide Führungskräfte mit diesen Unterschieden umgehen. Werden sie zum Ausgangspunkt gemeinsamer Entscheidungen oder entwickeln sich daraus Abläufe, die sich immer wieder selbst bestätigen?
Aus systemischer Sicht entstehen Schwierigkeiten selten, weil einzelne Menschen etwas falsch machen. Sie entstehen häufiger dort, wo sich Reaktionen gegenseitig verstärken und daraus feste Muster werden. Wer diese Muster gemeinsam betrachtet, schafft die Grundlage dafür, Zusammenarbeit bewusst neu zu gestalten. Genau darin sehen wir einen der größten Hebel für gelingendes Co-Leadership.
Wenn ihr gemeinsam führt …
… kennt ihr vermutlich Situationen, in denen Entscheidungen länger dauern als geplant, Gespräche immer wieder ähnlich verlaufen oder ihr merkt, dass ihr euch gegenseitig ungewollt ausbremst.
Genau an diesen Stellen kann ein gemeinsames Coaching hilfreich sein. Nicht, um Schuldige zu finden oder Unterschiede aufzulösen. Sondern um besser zu verstehen, was zwischen euch entsteht und wie ihr eure Zusammenarbeit so gestalten könnt, dass sie euch und eurem Team Orientierung gibt.
Wenn ihr euch in diesen Situationen wiedererkennt, begleiten wir euch gerne dabei, eure Zusammenarbeit gemeinsam weiterzuentwickeln.
FAQ
Was ist Co-Leadership?
Co-Leadership beschreibt ein Führungsmodell, bei dem sich zwei Personen dauerhaft Führungsverantwortung teilen. Beide treffen gemeinsam Entscheidungen, gestalten die Zusammenarbeit im Team und tragen gemeinsam Verantwortung für Ergebnisse und Mitarbeitende. Begriffe wie Doppelspitze oder Führungstandem werden häufig synonym verwendet.
Welche Vorteile bietet Co-Leadership?
Co-Leadership verbindet unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen. Gut abgestimmte Führungstandems können Entscheidungen reflektierter treffen, Verantwortung teilen und sich gegenseitig vertreten. Gleichzeitig profitieren Teams von einer höheren Erreichbarkeit und unterschiedlichen Sichtweisen.
Wann ist Coaching für Co-Leadership sinnvoll?
Coaching kann hilfreich sein, wenn sich dieselben Konflikte oder Missverständnisse immer wiederholen, Entscheidungen unnötig lange dauern oder Rollen trotz klarer Aufgabenverteilung unklar bleiben. Ziel ist es, wiederkehrende Muster sichtbar zu machen und neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln.
Wie können Führungstandems Konflikte lösen?
Nicht jeder Konflikt entsteht durch unterschiedliche Persönlichkeiten oder Führungsstile. Häufig entwickeln sich feste Interaktionsmuster, die beide Führungskräfte ungewollt aufrechterhalten. Ein systemischer Blick hilft dabei, diese Dynamiken zu erkennen und gemeinsam neue Handlungsoptionen zu entwickeln.


