Was passiert, wenn im Teamworkshop plötzlich deutlich wird, dass das eigentliche Thema gar nicht auf der Agenda steht?
Genau das erleben wir immer wieder. Die Workshopziele sind klar formuliert, die Agenda ist abgestimmt – und trotzdem gibt es diesen einen Moment, in dem alle merken: Eigentlich geht es heute um etwas anderes.
In diesem Praxisbeispiel zeigen wir, warum gute Moderation manchmal bedeutet, den ursprünglichen Plan loszulassen und dem Thema Raum zu geben, das die Zusammenarbeit wirklich beeinflusst.
Die Agenda ist voll – und trotzdem fehlt das wichtigste Thema
Zwei Tage Teamworkshop. Die Agenda ist voll: Rollen klären, die Zusammenarbeit verbessern, Regelmeetings anschauen, die Kommunikation transparenter machen und Erwartungen an Führung besprechen. Und wenn dann noch Zeit ist, bitte auch das Thema Verbindlichkeit.
Alles wichtig. Alles nachvollziehbar. Und trotzdem gibt es manchmal dieses eine Thema, das seit Wochen oder Monaten mitläuft. Die meisten kennen es, aber niemand spricht es richtig aus. Vielleicht ist es ein schwelender Konflikt. Vielleicht eine Kränkung. Vielleicht eine Spannung, die längst mehr beeinflusst, als allen lieb ist.
Dann kommt im Workshop irgendwann der Moment, in dem man sich entscheiden muss: Arbeiten wir weiter brav die Agenda ab? Oder halten wir inne und sprechen über das, was ohnehin die ganze Zeit mit am Tisch sitzt?
Genau da zeigt sich, was ein Workshop wirklich leisten kann.
Wenn Konflikte zwischen den Zeilen mitlaufen
Natürlich fühlt es sich erst einmal leichter an, bei Rollen, Formaten und Zuständigkeiten zu bleiben. Das lässt sich besprechen, sortieren und festhalten. Das schwelende Thema dagegen ist unangenehm. Es braucht Zeit, und niemand weiß genau, was passiert, wenn es endlich offen ausgesprochen wird.
Natürlich fühlt es sich zunächst leichter an, bei Rollen, Formaten und Zuständigkeiten zu bleiben. Das lässt sich besprechen, sortieren und festhalten. Das schwelende Thema dagegen ist unangenehm. Es braucht Zeit, und niemand weiß genau, was passiert, wenn es offen ausgesprochen wird. Auch Harvard Business Review weist darauf hin, dass Teams schwierige Spannungen möglichst früh ansprechen sollten, bevor daraus destruktive Konflikte entstehen. Mehr dazu im Beitrag „How to Preempt Team Conflict“.
Wenn ein Team jedoch an derselben Stelle immer wieder hängen bleibt, bringt es wenig, das Thema nur kurz anzutippen. Das ist ungefähr so, als würde man bei Zahnschmerzen einmal mit der Zunge an die betroffene Stelle gehen und hoffen, dass es danach besser ist.
Ganz ehrlich: eher nicht.
Warum gute Moderation manchmal bedeutet, den Plan zu ändern
Warum wir davon erzählen?
Weil gute Teamentwicklung nicht immer bedeutet, den ursprünglichen Plan möglichst diszipliniert durchzuziehen. Manchmal bedeutet sie, zu merken: Heute müssen wir nicht noch drei weitere Punkte schaffen. Heute müssen wir an der richtigen Stelle genauer hinschauen.
Woran Teams erkennen, dass sie genauer hinschauen sollten
Was ihr daraus mitnehmen könnt:
Nicht jedes Thema braucht sofort die große Aussprache. Wenn Rückzug, Vorwürfe oder Gereiztheit immer wieder auftauchen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Eine volle Agenda ist kein guter Grund, das wichtigste Thema noch einmal zu vertagen.
Gute Moderation heißt manchmal auch, den Plan zu ändern, damit der Workshop wirklich etwas bewirkt.
Fazit
Am Ende geht es nicht darum, aus jedem Problem eine große Grundsatzdiskussion zu machen. Es geht darum, den Knoten zu erkennen, an dem ein Team immer wieder hängen bleibt.
Und wenn ihr gerade merkt, dass es bei euch genau so ein Thema gibt, dann ist vielleicht jetzt der richtige Moment, es nicht noch einen Workshop lang mitzunehmen.
Drei Impulse für euren nächsten Teamworkshop
1. Wiederkehrende Spannungen ernst nehmen
Nicht jeder Konflikt muss sofort gelöst werden. Wenn dieselben Themen jedoch immer wieder auftauchen, lohnt sich ein genauer Blick.
2. Die Agenda als Orientierung verstehen
Eine gute Agenda gibt Struktur. Gleichzeitig sollte sie genügend Raum lassen, auf das einzugehen, was im Workshop tatsächlich wichtig wird.
3. Das eigentliche Thema besprechbar machen
Die nachhaltigsten Veränderungen entstehen oft dann, wenn Teams den Mut haben, über das zu sprechen, was bisher unausgesprochen geblieben ist.
Weiterführender Artikel
Wenn ihr euch fragt, wie Teams Veränderungen gemeinsam reflektieren und festgefahrene Muster sichtbar machen können, könnte euch auch unser Beitrag „Loslassen in der Teamentwicklung: 3 Perspektiven mit der Timeline-Methode“ interessieren.
Unterstützung für euren Teamworkshop
Kommt euch diese Situation bekannt vor?
Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wenn …
- ein Thema immer wieder zwischen den Zeilen auftaucht,
- die Zusammenarbeit dadurch spürbar schwieriger wird,
- ihr es ansprechen möchtet, ohne dass die Situation eskaliert.
Wir unterstützen Teams dabei, genau diese Gespräche gut zu moderieren – damit Workshops nicht nur Ergebnisse produzieren, sondern echte Entwicklung ermöglichen.


