Gepostet von Anna Ostwald und Julia Primavera

 

Fruchtbare Teamarbeit lebt von einem konstruktiven Miteinander. Zumindest in der Theorie leuchtet das jedem ein. Wenn ein Team sich neu zusammenfindet, funktioniert die Zusammenarbeit meistens auch noch ziemlich gut – alle geben sich Mühe und pflegen einen respektvollen Umgang miteinander. Kritisch wird es, wenn erste Konflikte aufpoppen. Und die werden kommen, garantiert. Denn Arbeiten im Team bedeutet immer auch, dass völlig unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallen: Die Alphapersönlichkeit will am liebsten alles alleine entscheiden, das Sensibelchen fühlt sich bei jeder Meinungsverschiedenheit persönlich angegriffen, der Introvertierte kann sich nicht konzentrieren, wenn die Musik zu laut ist und, und, und. Damit interne Spannungen nicht dazu führen, dass die Teamperformance leidet hilft es, eine ausgeprägte Feedbackkultur zu kultivieren. Wir zeigen euch, wie ihr eine Feedback Session am besten angeht, mit welchen Methoden ihr arbeiten könnt und geben Tipps für eine respektvolle Kommunikation.

Schafft euch Zeit und Raum für Feedback

IMG_6170Ganz wichtig: Nehmt euch für das Feedback im Team ausreichend Zeit! Zwischen Tür und Angel funktioniert das einfach nicht. Vereinbart gemeinsam einen Termin zum Feedback Gespräch. Setzt euch während des Termins nicht unter Druck, am besten ihr legt den Termin auf den frühen Abend und nehmt euch für später auch nichts Weiteres vor. So könnt ihr euch in aller Ruhe Feedback geben.

Sorgt dafür, dass Ihr während der Feedback Session ungestört seit. Vor allem wenn ihr im Feedback geben und annehmen noch nicht so geübt seit. Zieht euch in einen Raum zurück, schließt die Tür und hängt wenn nötig ein Schild mit „Bitte nicht stören“ an die Türklinke. In einer Feedback Session kann es ziemlich persönlich werden und es ist für beide Seiten unangenehm, wenn jemand von außen in diese intime Situation platzt.

Strukturiert die Session mit einer Feedback Methode

 

Damit das Feedback nicht ausufert und strukturiert bleibt,  arbeitet am besten mit einer simplen Feedback Methode. Wir haben zwei Vorschläge:

 

 

1. „Start-Stop-Continue“

Feedback Grid

Bei dieser Methode gibt es drei Kategorien: Start, Stop und Continue:

 

Start: Womit soll der andere in der Teamarbeit anfangen? Welches unausgeschöpfte Potential seht ihr?
Stop: Womit soll der andere eurer Meinung nach aufhören, wodurch behindert er die Teamarbeit?
Continue: Welche Qualitäten schätz ihr am anderen besonders?

Geht für jedes Teammitglied (auch für euch selbst!) jede der Kategorien durch und macht euch Notizen dazu. Wenn alle soweit sind, geht ihr Teammitglied für Teammitglied durch und jeder teilt der jeweiligen Person sein Feedback mit.

2. „I like, I wish, How to“

Ein anderes Feedback-Format, dass wir bei INNOKI häufig benutzten ist „I like, I wish, how to“.

I like: Was schätzt ihr am anderen? Seit hier gerne großzügig und geht auch auf Kleinigkeiten ein.
I wish: Was wünscht ihr euch für die zukünftige Zusammenarbeit vom anderen?
How to: Wenn ihr schon eine konkrete Ideen habt, wie euer Wunsch erfüllt werden kann, erwähnt sie!

Auch bei dieser Methode geht ihr für euch und jedes weitere Teammitglied alle Kategorien durch und macht euch Notizen. Wichtig sind „I like“ und „I wish“ – wenn euch kein passendes „How to“ einfällt, ist das nicht schlimm. Geht auch hier anschließend Teammitglied für Teammitglied durch und teilt euch gegenseitig euer Feedback mit.

Egal mit welcher Methode ihr arbeitet, denkt beim Feedback geben unbedingt, dass ihr sachlich bleibt und euch nicht im Ton vergreift. Sonst fühlt sich schnell jemand auf den Schlipps getreten und die ganze Session geht nach hinten los. Hier noch ein paar Tipps, mit denen die Feedback Session für jeden so angenehm wie möglich bleibt:

 

  • Drückt euch so neutral und sachlich wie möglich aus: bewertet Situationen nicht, sondern beschreibt sie.
  • Sprecht aus eurer Perspektive, über eure Wahrnehmung, eure Reaktionen.
  • Achtet darauf, dass ihr klar und konkret bleibt. Zieht Beispiele heran, so, dass das Feedback nachvollzogen werden kann. Es bringt nichts jemandem zu vorzuwerfen, er sei egoistisch. Beschreibt lieber was genau der jenige gemacht hat und was dieses Verhalten bei euch ausgelöst hat.
  • Beschreibt Beobachtungen anstatt phantasievolle Interpretationen anzubringen.
  • Kritik anzunehmen ist für jeden schwierig. Geht respektvoll miteinander um und drückt euch so aus, dass ihr den anderen nicht unnötig verletzt.
  • Feedback annehmen: vermeidet Diskussionen und verteidigt euch nicht selbst. Hört einfach zu und akzeptiert das, was der andere euch mitteilt. Denkt in Ruhe über das Gesagte nach.  Wenn ihr das Gefühl habt, das Feedback ist unbegründet, wird es euch sowieso nicht lange beschäftigen.
  • Denkt unbedingt daran, dem anderen auch mitzuteilen, was ihr an ihm schätzt!
  • Nehmt das Gesagte nicht persönlich. Letztendlich geht es darum die Arbeit im Team zu verbessern. Dazu gehört ein ehrlicher und vertrauensvoller Umgang miteinander. In einer Feedback Session werdet ihr einige Dinge über euch selbst erfahren, die euch noch gar nicht bewusst waren. Auf der einen Seite ist das etwas unheimlich, auf der anderen Seite ein riesige Chance euch als Gruppe und Individuum weiterzuentwickeln.
  • Fangt mit den Feedback Sessions nicht erst an, wenn es kriselt. Wenn ihr euch zunächst nur positive Dinge zu sagen habt, ist das großartig! So schafft ihr einen guten Nährboden für Zeiten, wenn es mal richtig kracht.

 

IMG_6429

Wir hoffen unsere Tipps helfen euch weiter und ihr seid motiviert bald mit eurer ersten Feedbacksession zu starten. Wenn ihr noch Fragen oder Anregungen habt, immer her damit!